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Kleines Pflanzenkompendium

Von Margarete, Christoph, Anna und Gottfried
benutzte oder empfohlene Pflanzen

Alraune (Mandragora offinicarum):
(div. Quellen) Sie diente den Hebammen seit der Antike als Aphrodisiakum (selbst Properz hielt die Alraune für ein mächtiges, wenn nicht gar gefährliches Aphrodiskaum), fruchtbarkeitsförderndes Mittel, empfängnisförderndes Mittel, Mittel zur Erleichterung der Geburt, zur Betäubung beim Kaiserschnitt, Mittel zur Austreibung der Todgebut und als Abortivum (Emmenagoga). Margarete hätte Theresa wohl kaum ein Abortivum gegeben, wenn sie sicher gewusst hätte, dass sie schwanger war. Theresa hat erst später von Thomas empfangen und da hat Margarete angeraten, den Aufguss nicht mehr zu trinken.
Der Samen getrunken reinigt die Gebärmutter, als Kompresse entfernt sie die abgestorbene Leibesfrucht. Die Früchte wirken betäubend. Die Wurzeln und der konzentrierte Saft aus der Rinde wurden bei Entzündungen von Wunden, bei Gallebeschwerden, bei Schmerzen und Erkrankungen der Augen, bei Vergiftungen durch Mutterkorn, bei Geschwülsten und bei Schlangenbissen angewendet. Sie ist ein Immergrüngewächs, deren Heilkräfte in den gelben und rotgelben Beeren und vor allem in der Wurzel liegen. Die Alraune bildet die Verschmelzung sehr alter Mythen und vergangener Wirklichkeiten. Wegen ihrer verwachsenen Form wurde sie als Galgenmännchen und Drachenpuppe, wegen ihrer facettenreicher Verwendbarkeit und dem Medea-Erbe als Hexenkraut und Unhold-Wurzel mystifiziert und als Allheilkraut „Arzt-Wurzel” popularisiert. Wegen hoher Nachfrage verkauften Quacksalber aus ähnlichen Wurzeln geschnitzte Alraun-Imitate. Seit dem frühen 15.Jh. wurden Frauen verfolgt, weil sie die Pflanze (mehr oder weniger) magisch nutzten.
Man sagt, dass eine im Haus aufbewahrte Alraune seinem Besitzer die komplizierten Zusammenhänge der Gegenwart offen darlegt. (Hat Margarete deshalb einige Zusammenhänge erst begriffen, nachdem sie die Alraune geerntet hatte?)
Erwähnung in der Bibel: Genesis XXX, 14-16; Salomon VII, 11-13 Josephus behauptet, die Pflanze würde in der Dunkelheit leuchten <
Im alten Rom wurde die Alraune durch Senatsbeschluss als Zaubermittel verboten. Sie galt weithin als illegales Aphrodisiakum und. Sie ist eine der zwölf heiligen Pflanzen (heilig im Sinne der Dodecatheon-Medizin), die jeweils einem der zwölf olympischen Götter geweiht waren, Alraune war die Pflanze der Aphrodite. Die „goldenen äpfel der Aphrodite” meinten die gelben Früchte der Alraune und wurde von vielen Unwissenden mit dem eigentlichen Hexenkraut, dem Bilsenkraut gleichgesetzt oder als solche identifiziert.
Von der Verwendung der Pflanze ist dringend abzuraten, da die überlieferten Rezepte (Z.B. Medea, Hildegard von Bingen) sehr widersprüchlich sind. Ich habe keine sichere, moderne Stellungnahme zu dieser Pflanze gefunden.
Weitere Bezeichnungen: Moly, die Zauberpflanze der Kirke (Moly ist in der Neuzeit jedoch als Goldlauch identifiziert worden.); Arsen (angeblich die weiße, weibliche Mandragora nach Plinius.). Dioskurides hat für die Alraune den Namen circeon überliefert; auch Mandragora Circae, das Kraut, mit der Kirke (=Zirze) die Männer des Odysseus in Schweine (das heißt wohl sexuell erregte Männer) verwandelte. (nach Müller-Eberling, Rätsch, Storl)

Fenchel(Foeniculum vulgare)-Dillkur (Dill: Anethum graveolens):
(nach Hildegard von Bingen)gegen Erkältungen: "Wenn das Gehirn des Menschen auch sonst gesund und rein ist, steigen dann doch auch Stürme der Luft und der anderen Elemente zum Gehirn auf, die verschiedene Säfte zum Gehirn und wieder von ihm weg ziehen und einen nebligen Brodem im Weg der Nase und des Rachens bilden, sodass sich dort ein schädlicher Schleim, ähnlich einem nebligen Wasserdunst ansammelt.” Hildegard von Bingen
15g Fenchelkraut, 60 g Dillspitzen auf einer Blumentopfscherbe (oder dünnem Dachziegel) im Ofen erhitzen; Kräuter mischen und wenden; den entstehenden Rauch einatmen; darauf achten, dass die Gewürze dabei nicht schwarz werden, denn sie sollen anschließend warm (und noch grün) verzehrt werden (auf Brot, Backkartoffel, etc.)

Ringelblume(Calendula officinalis):
wurde schon zur Zeit Kaiser Karl dem Großen in „Capitulare de villis”, in der Regelung des Klosterlebens im Kapitel über die Pflege und dem Umfang eines Klostergartens aufgenommen. Selbst wenn der Laie nichts mit der Calendula anzufangen weiß, gibt es wohl kaum einen Menschen, der nicht schon irgendwie mit ihr in Berührung gekommen ist (im wahrsten Sinne, denn heute findet man sie am Häufigsten in Hautpflegprodukten, Säuglingspflegeprodukten, etc.). Ist wirksam bei der Wundheilung (als Salbe oder Umschlag verwendet) und hat (als Tee verwendet) krampflösende Wirkung. Sie ist blutungsfördernd, choleretisch, entzündungshemmend, abschwellend, schmerzstillend.
Margarete möchte Adele Möller eine Ringelblumenpaste schenken, denn...: „Die Ringelblume ist kalt und feucht und sie hat starke Grünkraft in sich, und sie ist gut gegen Gift. Denn wer Gift ist oder wenn es verbreitet wurde, der koche Ringelblume in Wasser, und nach Ausdrücken des Wassers lege er sie so auf seinen Magen, und sie erreicht das Gift.”Hildegard von Bingen
Auf die Symbolkraft dieser Aussage im Vergleich zur vergifteten Beziehung zwischen Adele und Margarete soll hier nur hingewiesen werden.

Salbei (Salvia officinalis):
„Der Salbei ist warmer und trockner Natur, und er wächst mehr infolge der Sonnenwärme als infolge der Feuchtigkeit der Erde. Und er ist nützlich gegen die kranken Säfte, weil er trocken ist. ...” Margarete stellt schon an ihrem allerersten Tag auf Christophs Hof und ihrer ersten Bekanntschaft mit Christophs Jähzorn fest, dass sie „unbedingt Salbei” anbauen müsse, „... Denn roh und gekocht ist er gut für jenen zu essen, den Schädliche Säfte plagen weil er diese Säfte unterdrückt.” Hildegard von Bingen
Salbei gilt als bei äußerer Anwendung (Blätter) als antiseptisch und entzündungshemmend, bei innerer Anwendung (Blüten) verdauungsfördernd, schweißhemmend, unterstützend gegen Husten und Asthma.

Schlüsselblume (Primula veris):
Ein uralter Volksglaube schreibt der Schlüsselblume Kräfte zu, nach denen sie die Verbindung der Menschen- zur Geisterwelt herstellen könne. In den Kelchen der Schlüsselblume wohnen Elfen, welche Zugänge zu geheimen Schätzen wissen und hüten. Diese Elfen erschließen also den Weg zu Glück und Reichtum. Anna Biehain sagt der Schlüsselblume noch eine andere Fähigkeit zu: Den Schlüssel zur Unterwelt zu beinhalten.
„Die Schlüsselblume ist warm, sie hat ihre ganze Grünkraft vom Scheitelstand der Sonne.” Hildegard von Bingen
Ihre Eigenschaften als Heilpflanzen zieht die Schlüsselblume aus den Blüten für die innere Anwendung (bei Schlaflosigkeit und Nervosität), und aus den Wurzeln (Innerlich: bei Husten, äußerlich bei Gelenkschmerzen und Prellungen.)

Waid (Färberwaid Isatis tinctoria):
(div. Quellen) Färberwaid aus der Familie der Kreuzblütler wurde verwendet als pflanzliches Tuchfärbemittel in den Tönen braun bis blau. Es ist ein Küperfarbstoff, genannt deutscher Indigo, Indigo-sächsischblau. Er wird zweijährig als Farbpflanze angebaut. Wildwachsend findet man ihn an Flussufern. (Christoph hat den Anbau, die Pflege und den Handel von und mit Waid sehr veranschaulicht, das soll hier nicht wiederholt werden.
1498 brachte Vasco da Gama erstmals auf seinem Schiff Indigo aus Italien mit. Das Aufkommen des dem Waid ähnlichen Farbstoffs Indigo, der in seiner Verarbeitung weniger aufwendig, billiger und ergiebiger war, verdrängte allmählich die heimische Färberpflanze. In Europa begann der „Blaue Krieg”.
Waidbauern kämpften um ihre Existenz. Der Untergang des in Europa noch in voller Blüte stehenden Färberwaid-Blaus war besiegelt. Das Blau, das mit Waid und dem orientalischen Indigo gewonnen werden konnte, nannte man bald nur noch die „Teufelsfarbe”.
1577 wurde durch eine kaiserliche Polizeiordnung die „Teufelsfarbe” Indigo verboten; besonders im „Waidland” Thüringen hat es nicht an Versuchen gemangelt, sich dem Verbot zu widersetzen (hierzu: Lauretius Niska 1631 über die Vorteile und den Nutzen des Waidanbaus in Thüringen), dennoch ging Jahr um Jahr die Zahl der Waidbauern zurück.

Wegwarte (Chichorium intybus):
(div. Quellen) "Eine handvoll Wegwart in wasser gesotten vnd getruncken
Führt aus die gallen vnd weissen schleim durch den stuhlgang ...
Ein decoction gemacht auss dem kraut und wurtzel
Mit wein oder wasser
Vnnd warn getrunken
Eröffnet die Leber und Miltz
Soll genützt werden im umfang der wassersucht und Cachexia.
Solches vermag auch das gebrannte wasser
Vnnd ist trefflich gut zum hitzigen Magen [...]
Vnnd schwachheit des Herzens getruncken [...]
(Hieronymus Bock)

Gottfried gibt eine Vielzahl von Wirkungsweisen an, die hier nicht noch einmal aufgelistet werden sollen, die Sagen umwobene Wegwarte steht im volksgynäkologischen Glauben in engem Zusammenhang mit den Geschichten um junge Frauen, die auf die Rückkehr ihres Liebsten warten. Die Wegwarte wird nämlich auch gern in der Schwangerschaft verwendet, um der Eisenmangelanämie zu empfehlen, (wegen ihres hohen Kaliumgehaltes) und ist auch als Mittel gegen Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) verwendbar.
Besonders die volkstümliche Bezeichnung verfluchte Jungfer macht den Gebrauch des Wegwartenkrautes in einer Hinsicht einleuchten: sie hilft, Menschen für sich zu gewinnen, sie hilft, Schicksalsschläge und Hindernisse im Leben besser zu verkraften (Wegwarte wurde schon von Theophrastus, Plinius, Dioskurides beschrieben.
„In Summa, man gebrauche die Wegwarte wie immer man will, so sind sie dienlich in allen innern, hitzigen Krankheiten des Herzens, Magens, [...] Bauchflüssen, Verstopfungen der weiblichen Monats-Bluhmen, [...] desgleichen so einem die Lust zum Essen vergangen ist.” (nach unbekannt)
Margarete sagt den Spruch:
Dorst, Hartheu und Wegscheidt [Wegwarte]
Tun dem Teufel viel Leid (nach Müller-Eberling, Rätsch, Storl)
Diese und ähnliche Formeln beschworen weise Frauen, wenn sie im Sternzeichen Löwen (August) das Kraut „Teufelsflucht” Harthau pflückten und es mit einzeln oder mit Wegwarte zusammen ins erste Bad eines Säuglings gaben. Im Stall aufgehängt sollen Disteln das Vieh vor Schadenzauber bewahren.
Die Wegwarte entspricht in ihrer Symbolik der Hexe schlechthin, die sich wie die Pflanze am Rande der Ortschaft in unkultivierten Gegenden lebt.
Volksnamen: Blaue Sonnenwende, Hindlauf, Hindläufte, Irenhart. Sonnenwirbel, Sonnendraht, Sonnebraut, Sonnewirbel, verfluchte Jungfer, Wendel, Wegleuchte u.v.m.

Margaretes Bemühungen, ein Kind zu bekommen


Brennesselblätter (Urtica dioica):
(nach Susun S. Weed) Zur Förderung der Fruchtbarkeit. Die gewöhnliche Brennessel wird auch als Gebärmuttertonikum bezeichnet (Ist weiterhin bekannt als Fastenkraut). Sie stärkt die Nieren und Nebennieren. Ihr hoher Chlorophyll- und Mineralstoffgehalt stärkt das Hormonsystem (Vor allem Männer klagen während der Einnahme von Brennesselblätter-Aufgüssen während des Fastens Gemütsschwankungen, die sie von ihren Frauen gewohnt sind).
Dank dieser Eigenschaften, ist die Brennessel neben dem Rotklee eine weit empfohlene Pflanze zur Fruchtbarkeistförderung. Der Infus soll wie Rotkleeblätter über Tage und Monate eingenommen werden und sehr wirksam sein. Die Brennessel verdient i.B. mehr Anerkennung als Schwangerschaftskraut, weil es Mutter und Fetus mit vielen wichtigen Vitaminen und Mineralien versorgt. Es wirkt schmerzlindernd vor, während und nach der Geburt, wirkt nach der Geburt Blutungsstillend (weil er Vitamin K liefert), es fördert die Muttermilchbildung und nährt die Milch.

Mistelkraut (Viscum album L.) und Schafgarbe (Achillea millefolium):
(div. Quellen) Mistelkraut (Kraut der Proserpina) richtig angewendet als Aufguss oder Tinktur (Tropfen) kann es zusammen mit Schafgarbe den Schoß für die Leibesfrucht öffnen. Schafgarbe gehört zu den reinigenden Pflanzen (wie auch Brennessel), es wirkt zusammenziehend, antibakteriell und harntreibend und wird besonders bei Blasenentzündung empfohlen (wenn Bärentraubenblätter ihre Wirkung allein nicht entfalten können.) Die Kelten hielten die schleimigen Mistelbeeren für das Sperma des kosmischen Stiers.
Die fruchtbarkeitsfördernde Wirkung von Mistel und Schafgarbe ist aus heutiger Sicht umstritten. (Ich habe kein glaubwürdiges Rezept gefunden.) Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit war es jedoch eine beliebte Kombination, dem ausbleibenden Kindersegen nachzuhelfen. Mugwurz (Beifuß: Artemisia vulgaris):
(div. Quellen) Beifuß wirkt menstruationsfördernd und scheint auf den ersten Blick in dieser Kategorie des Kompendiums fehl am Platze. Hat Anna Margarete also Emmenagoga (Mens.fördernde Mittel) gegeben, um Margaretes baldige Schwangerschaft zu verhindern? Die Einnahme von Beifuß ist vor allem in der frühen Schwangerschaft bedenklich und kann zum Abort führen, da er Saft treibend in Magen und Darm sowie krampfend in der Gebärmutter wirkt (u.a. auch Anwendung bei Blasenleiden, Durchfall, mangelnde Gallentätigkeit).
Anna ordnet jedoch lediglich ein Fußbad mit Mugwurz an, das den Unterleib wärmen und energetisieren soll. Ob ein Fußbad zu einer gewünschten Schwangerschaft verhilft, bezweifeln die modernen Heilkundler. Wie bei allen Mittelchen, die uralten Traditionen entspringen, wirkt dieses Rezept sicherlich beruhigend und vorteilhaft auf die Psyche.
„Der Beifuß ist sehr warm, und sein Saft ist sehr nützlich, und wenn er gekocht und in Mus gegessen wird, heilt er kranke Eingeweide, und er wärmt den kranken Magen.” (Hildegard von Bingen)
Volksname: Sonnwendgürtel, Wilder Wermut, Jungfernkraut, Gänsekraut, Buckel, Mugwurz (Heute wird Beifuß kaum noch verwendet, weil sein Verwandter, Wermut, wirksamer ist.)

Rotkleeblüten (Wiesenklee, Trifolium pratense) & Pfefferminze (Mentha piperita):
(nach Susun S. Weed) Zur Förderung der Fruchtbarkeit. Der hohe Eiweißgehalt von Rotklee ist für den ganzen Körper wohltuend, sein Vitamingehalt ist bes. vorteilhaft für die Gebärmutter; sein Kalzium und Magnesium entspannen das Nervensystem und fördern die Fruchtbarkeit; seine Inhaltsstoffe helfen, das Gleichgewicht des Hormonsystems zu regenerieren.
Infus aus 30g Rotkleeblüten und 1 Teelöffel Pfefferminzblätter in 1 l Wasser; vier Stunden ziehen lassen; kann über den ganzen Tag getrunken werden auch über mehrere Monate (Pfefferminze wirkt übrigens auch gegen morgendliche übelkeit in der Schwangerschaft und ist ein belebender Muntermacher.)<

Waldmutterkraut (Waldmeister, Asperula odorata, Herba matrisylvae):
(div. Quellen) Wurde als Süße in Wein gemischt und als traditioneller Maitrunk gereicht. (Ein Benediktinermönch namens Wandelbertus berichtet schon um 854 von diesem Brauch.) Mehrere Handvoll des angewelkten Krautes (duftet nach Cumarin) in den Wein getan, entfaltet es seine aphrodisierende und betäubende Wirkung und wird seinem Namen Waldmeister (franz. reine des bois) gerecht.
Früher waren vierzig Wochen nach dem Maivollmond und der Maibowle (Margarete wusste, dass es der Zeitpunkt der Lichtmessfeier im Februar sein musste), die Geburtenraten erstaunlich hoch. Dem Waldmeister wird nachgesagt, er könne einen heftigen Kater hervorrufen, wodurch seine Verwendung wohl aus der Maibowle verdrängt wurde.
Volksname: Maikraut, Sternleberkraut, Herzfreund. Unser Frauen Bettstroh hat seine Wirkung aus ethnisch, psychodelischem Grund heraus. Seine Nutzung war sozusagen volksgynäkologisch.
Zur Maienzeit sammelten die jungen Mädchen und Frauen verschiedene Kräuter und Blumen (Beifuß, Quendell, Kamille, Waldmeister, Gundelrebe und Labkraut), welche die Göttin der Freya oder später der Maria geweiht waren (eine solche Kräuterweihe kennen wir heute aus dem feierlichen Gottesdienst zum 15. August, Mariae Himmelfahrt). Diese Kräuter wurden ins Liebesnest gelegt.

Margaretes Bemühungen, ihre Menstruation zu verkürzen und zu verheimlichen


Mutterkraut (Tanacetum pathenium syn. Chrysanthemum):
(div. Quellen) Antyseptisches, fiebersenkendes, krampflösendes, mens.förderndes, tonisches Kraut; Es wurde in der volkstümlichen Naturheilkunde als Emmenagoga eingesetzt. Verwendung: Blätter (zur inneren Anwendung als Aufguss bei Schlafstörungen, zur äußeren Anwendung als Vollbad bei Unruhe), und Blüten (bei äußerer, Kaltinhalation bei Rachitis bei Kindern) Das Kraut der Göttin Athene / Minerva
Volkname: Falsche Kamille, Fieberkraut
Mutterkrautsuppe: Rezept nach Hildegard von Bingen zur Behandlung von Mens.Beschwerden, prämenstruellen Schmerzen:
5-7 Mutterkrautblätter (evtl auch ein TL Urtinktur aus der Apotheke; 1 TL Butter, ¼ l Wasser, 1 EL Dinkelmehl, Salz.
„Und wenn die Frauen den Monatsfluss haben, sollen sie diese Suppe [...] bereiten und essen, und dies bereitet eine angenehme und leichte Reinigung des Schleims und des inneren Unrats und leitet den Monatsfluss hinaus.” (Hildegard von Bingen)
Von der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit ist abzuraten, da noch keine genauen Erkenntnisse vorliegen außer der oben erwähnten möglichen Wirkungen.

Sellerie (wilder, Apium canadense):
(div.Quellen) Lindert starken und unzeitigen Monatsfluss.
„Eine Frau, die an starkem und unzeitigem Monatsfluss regellos litt, tauche ein leinenes Tuch in kaltes Wasser und mache damit sie innerlich abgekühlt wird, weil infolge der Kälte des Leintuchs und des kalten Wassers der unzeitige Monatsfluss zurückgehalten wird. Auch soll sie Sellerie in Wasser kochen und sich warm auf die Schenkel und den Nabel legen.” (Hildegard von Bingen)
Als gewöhnliches Küchenkraut kann Wilder Sellerie abortiv wirken und sollte deshalb in der Schwangerschaft nicht oder in Maßen verwendet werden.

Rosekompressen (Rose: Rosa gallica):
(nach Hildegard von Bingen) Neben seinem betörenden Duft, der wohl die edelste Eigenschaft der Rose ist, wirken ihre Auszüge krampflösend, was für die Linderung und Verkürzung der Monatsregel genutzt werden kann: Man nehme eine beliebige Menge Rosen und die Hälfte soviel Salbeiblätter unter Beimengung von frischem, bereits zerlassenem Fett, in Wasser kochen, bis es eine pastose Masse ergibt. Diese Salbe auf den krampfenden Unterleib reiben.
„Die Rose ist kalt und diese Kälte ist eine nützliche Mischung in sich. Am frühen Morgen, aber wenn der Tag schon angebrochen ist, nimm ein Rosenblatt und lege es auf deine Augen. Es zieht den Saft, das Triefen [d.Vf.], heraus und macht es klar.” (Hildegard von Bingen)
Rose in Kombination mit Salbei wirkt laut Hildegard von Bingen übrigens auch gegen Jähzorn, was Margarete ihrem Mann als Pulver hätte unter die Nase reiben sollen, wenn Christoph wieder einmal schlechter Laune war.

 

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