Dryas Verlag präsentiert Ivonne Hübner
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Bekenntnisse - Fiktion oder Wirklichkeit

Ich habe mich um Authentizität bemüht, einiger Abweichungen bedurfte es dennoch, zu denen ich mich im Folgenden bekenne:

ERSTES BEKENNTNIS: 18. Juni 1145: Der Aufenthalt des deutschen Königs Konrad III, Albrecht d. Bären und seinem Sohn Otto I., Markgrafen von Brandenburg in Seehausen ist belegt. Urkundlich ist nicht eindeutig nachzuweisen, ob es sich um Ortschaft 2 oder 3 handelt. Die Ortschaften 1, 4 und 5 sind gänzlich auszuschließen.
Für den Roman habe ich die Ortschaft 1 als Treffpunkt ausgewählt.

Folgende Ortschaften mit dem Namen Seehausen sind belegt:
1. auf der Nordhalbinsel des Oberueckersees
2. an der Aland zwischen Wittenberge und Havelberg gelegen
3. westlich von Magdeburg gelegen
4. nördlich von Leipzig gelegen
5. zwischen Lutherstadt Wittenberg und Jüterbog gelegen
 
ZWEITES BEKENNTNIS: Sehr schwer lässt sich eine slawische Religion - die es wohl im herkömmlichen Wortsinne nicht gab - rekonstruieren. Um eine Idee einer religiösen Lebensweise und des geistigen Lebens unserer slawischen Vorfahren darzustellen, habe ich die Arbeiten von K.H. MEYER sowie L. MOSZY?SKI. zugrunde gelegt. Die Forschung ist sich allerdings in Bezug auf eine vermeintliche urslawische Mythologie so wenig einig wie in den meisten ethnischen Untersuchungsgegenständen. Dendrochronologisch untersuchte Holzfunde frühslawischer Burg-, und Brunnenanlagen geben zwar Aufschlüsse über das soziokulturelle Leben der Menschen, ihre Religion und die damit verbundene Ausreifung des Sprachschatzes (siehe unter Aus dem slawischen Sprachschatz)sind jedoch nur rudimentär, bisweilen gar nicht erfasst. Das gilt auch für die Ursprünge der Glaubensform der Slawen. Viele Parallelen lassen sich zwischen dem urslawischen und dem keltischen Kulturgut festmachen. Einige Forscher gehen weiter und siedeln das Keltische im Slawischen an, andere zeigen auf, dass die Slawen den Einflüssen keltischer Urvölker intensiv ausgesetzt waren. So fanden sich z. B. bei den Kelten und Slawen gleichermaßen Funde mehrköpfiger Götterfiguren und -abbildungen. Keltologen haben sogar Spuren des keltischen Glaubens in Arkona, Rehtra (Rodigast) und Stettin ausgemacht. Dennoch wissen wir so gut wie nichts über das Geistesleben der Slawen. (Lesen Sie auch über die Sternbilder - Sternbilder)
 
DRITTES BEKENNTNIS: Ich habe, um Irritationen zu vermeiden, Attala, den Alten, einen Priester genannt, obschon er im Sinne seiner Aufgaben ein Druide sein müsste (*dru-wido- (idgerm. dru- Eiche / dicht, kräftig, prall, viel; *weid- [gr. eidon / lat. video] ich erblicke, ich sehe.) Die Bezeichnung Druide kennt man aus der Kultur der Kelten und meint Elite, Priester, weiser Mensch. Das Verbreitungsgebiet der als Keltoi bezeichneten Stämme wird im Allgemeinen auf die Regionen der Donauquellen bis Südfrankreich - Maseille - festgelegt. Da die keltischen Sprachen in ihren Facetten dem indoeuropäischen zuzurechnen sind, liegt eine Verwandtschaft mit dem Slawischen nicht fern. Und da die Eingrenzung keine wirkliche ist, ist die Annahme, das keltische und seine kulturellen Besonderheiten seien auf die Ethnien der Bretagne, Irland und Großbritannien zu beschränken, falsch. Viel nahe liegender ist die Annahme, dass sich das keltische - wie das angelsächsische im Allgemeinen - erst kontinental, dann insular verbreitet hat. Überreste kultischer Stätten sowie Grabanlagen der Nordeuropäischen Westslawen und der sog. Hallstattkultur auf den britischen Inseln, sowie in der Bretagne, in Anatolien etc. zeigen eine nahezu identische Gestaltungsweise.
 
VIERTES BEKENNTNIS: Es ist wahr, dass die slawischen Töpfer ihre Gefäße durch Bodenzeichen, welche auf der Töpferscheibe eingraviert waren, kenntlich machten, umstritten ist bis heute jedoch, ob es sich um Herkunfts-, Marktwert-, oder kultische Zeichen handelte. Im Roman entschied ich mich für Ersteres.
 
FÜNFTES BEKENNTNIS: Es ist korrekt, dass es im ausgehenden 10. Jh. ein Bündnis zwischen den Lutizischen Wendenstämmen gegeben hat, es ist jedoch nicht erwiesen, ob die Ukranen als kleiner, untergeordneter Stamm dem Bund der Lutizischen Stämme angehört haben. Laut Forschungsstand [J. HERRMANN, A. POLLEX e.a.] gehörten die Ukranen nicht zu den Stämmen, die sich in ihrer Gruppierung die Lutizen nennen.
 
SECHSTES BEKENNTNIS: Wie es zum Fall der Ukranischen Inselburg kam, bleibt unklar. Die im Roman geschilderten Vorgänge entspringen meiner Phantasie. Eindeutig ist jedoch, dass ein Burgwall auf dem Oberuckersee entstand; nach U. LAMM um 1100. Der Wall galt als großes slawisch?-feudales Burg- und Siedlungszentrum und hatte eine Querschnittsbreite (am Fuß) von 5 bis 6 m und eine Höhe von ca. 6 m. Die Wallanlage bestand aus Holz und Lehm. Etwa um 1150? wurde die Insel durch einen Brand zerstört. Die näheren Umstände konnten bisher nicht nachvollzogen werden auch kriegerische Umtriebe sind nicht ausgeschlossen. Der Wall glühte durch und verschlackte. J. HERMANN macht eine jungslawische Siedlung am nördlichen Ufer des Oberuckersees fest, auf die ich mich bei meiner Romanhandlung konzentriert habe.
 
SIEBENTES BEKENNTNIS: Sämtliche lateinischen Text-Passagen stammen nicht aus der Feder des Bischof Wigger, sondern aus der des Chronisten Helmold von Bosau: Slawenchronik. [Helmoldi Presbyteri Bozoviensis: Chronika Slavorum.] Die Aussprüche des Königs Konrads - so z.B. S. 96 - sind tatsächlich von ihm.
 
ACHTES BEKENNTNIS: Die Grabplatte des Magdeburger Erzbischofs Konrad von Querfurth - in Teil I beschrieben -, ist nach dem Brand des ersten, ottonischen Magdeburger Doms von 1207 nicht erhalten. Meine Beschreibungen des Grabes sind assoziiert und nicht belegt.
 
NEUNTES BEKENNTNIS: Parduin. Im Roman entsteht an dieser Stelle ein prämonstratensisches Doppelkloster (Mischorden), dieser Fakt ist nicht fundiert. Urkundlich belegt ist jedoch, dass Parduin 1147 durch den Stodoranenfürsten Pribislaw-Heinrich für die Ansiedlung der Prämonstratenser-Chorherren freigegeben wurde. Belegt ist auch, dass die Prämonstratenser Mischorden aufbauten, wo also weibliche und männliche Gottesdiener lebten. (Bei Prämonstratensern ist nicht von Mönchen zu sprechen, sondern es sind Chorherren - Priester. Die Frauen jedoch durften nicht das priesterliche Amt ausüben, blieben also auf dem Stand der Nonne. Beispielsweise lebt die Gemeinschaft der Norbertusschwestern heute im Kloster Rot an der Rot neben dem männlichen Ordenszweig nach den Lehren des hl. Norbert von Xanten.) Lesen Sie über die Prämonstratenser unter Noch mehr Fachbegriffe erklärt)
 
ZEHNTES BEKENNTNIS: Der Ausspruch «Kreuze! [...] Städte und Burgen leeren sich, kaum findet man noch einen Mann auf sieben Frauen, rings sieht man Witwen, deren Männer noch leben» (Roman S. 84) stammt nicht von Bischof Wigger, sondern von Abt Bernhard von Clairvaux [nach R. WAHL].
 
ELFTES BEKENNTNIS: Es ist richtig, dass der Feldzug des südlichen Heeres im Sommer 1147 vom Sammellager (vermutlich vor Magdeburg) durch das Land der Heveller bis nach Malchow und Demmin und von dort weiter nach Stettin führte. Über die genauen Routen und Belagerungen der beiden Heere ist kaum etwas belegt. Dass ein Ausleger des südlichen Heeres ins tiefe Ukranenland zog, ist nicht überliefert, aber auch nicht abwegig.
 
ZWÖFLTES BEKENNTNIS: Die Figur des Arabers Isfahar ibn Jakub ist an den im 10. Jh. bekannten spanischen Sklavenhändler Ibrahim ibn Jakub angelehnt, der die Märkte in Prag, Magdeburg, Mecklenburg und Haithabu inspizierte.
 
DREIZEHNTES BEKENNTNIS: Der Ausspruch «Begierig nach Kampf und Ruhm, aber empfindlich gegen Beleidigungen [...] Trauer überflutet unser Herz, wenn wir an die bevorstehenden Veränderungen im Reiche denken» (Roman S. 500) stammt aus einer schriftlichen Quelle des Wibald von Stablo an Papst Eugen III.
 
VIERZEHNTES BEKENNTNIS: Jeder Autor hat seine Lieblingswörter, die manchmal nicht der eigenen Schöpfung entspringen. So habe ich Friedrich Schillers Hirnkasten und Frank Mc Curts Fiedlerfurz mit Freuden benutzt.
 
FÜNFZEHNTES BEKENNTNIS : Da uns so gut wie nichts über die astrogeografischen Vorstellungen der slawischen Volksstämme überliefert ist, aber davon ausgegangen werden kann, dass die Slawen sich wie die Griechen, Byzantiner, Babylonier etc. am Himmelszelt orientierten, versuchte ich ein Konglomerat aus der uns gebräuchlichen Astronomie, kritischen Forschungen und astronomischen Spekulationen zu entwerfen und daraus eine heidnische Sternenmythologie abzuleiten. Dazu gereichten mir Indizien, die die Höhle von Lascaux liefert, aber auch WIRTHs und BLATTMANNs faszinierende astrogeografische Erkenntnisse sowie FASCHINGs astronomischen Analysen. Meine Untersuchungen sind hypothetisch. (Lesen Sie hierzu in Sternbilder)
 

 

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