Dryas Verlag präsentiert Ivonne Hübner
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Mit geteilter Zunge

Aus dem slawischen Sprachschatz

Die im Roman verwendeten lingualen Versatzstücke sollen als solche betrachtet werden und nicht als Sprache der Ukranen. Sie sollen eine Ahnung vom Widerklang des Slawischen und eine Sichtbarmachung der Unterschiede zum Deutschen wiedergeben. Ich habe die Versatzstücke aus der Fülle der slawischen Sprachen ausgewählt und nach meinen eignen Vorstellungen einer Ukranensprache zusammengestellt, ohne die Spuren, die hunderte von Jahren in einer Sprachlandschaft hinterlassen haben, berücksichtigt zu haben. Wie sich ein mittelalterliches Slawisch oder gar ein Urslawisch, insbesondere jedoch ein slawischer Dialekt in der heutigen Uckermark verhalten haben könnte, liegt im Bereich der Spekulation. Die vielen verschiedenen slawischen Stämme (verbreiteten sich vom Mittelmeer bis nach Skandinavien und vom Ural bis an die Nordsee), die Völkerwanderungen der Wenden und die regionalen Eigenheiten lassen nur wenige Anhaltspunkte über die Sprachform der Ukranen des 12. Jh. zu. Das sogenannte Urslawisch, Altslawisch oder Altkirchenslawisch und deren unzählige Varietäten ist uns nicht zuverlässig überliefert. Frühmittelalterliche Chronisten wie der Byzantiner MALALAS oder die mittelalterlichen Chronisten HELMOLD von Bosau und THIETMAR geben eine Ahnung von dem wieder, wie sich die slawischen Landsmänner verständigt haben könnten, bieten jedoch keine ausreichende Basis einer slawischen Philologie. Das Slawische wurde nur insofern transkribiert, da von einzelnen Übersetzern griechische, lateinische oder hebräische Texte ins Altslawisch und dann auch nur in einzelne Varietäten übersetzt wurden. Das spärliche Quellenmaterial lässt viele Zweifel an der Alleingültigkeit bestimmter Glossen und Termini, weil Begriffe in verschiedenen Quellen verschiedenartig definiert werden. Mit der Christianisierung im 11. / 12. Jahrhundert wurden viele der slawischen Dialekte dem Vergessen anheim gegeben. Neben dem Kaschubischen (ehemals Westpreußen, heutige Woiwodschaft Pommern) ist heute noch das Sorbische eine lebendige Sprache. Letzteres finden wir in den Landstrichen der heutigen Lausitz. Leszek MOSZYSKI, Erich LINNENKOHL und Norbert FRANZ sollen hier als Vertreter: jener genannt werden, die einen Einblick in die Philologie des Slawischen bieten.

  • Theodisk: [germ. thiot - Volk; ahdt. Diutisc; altfränk. theudisk - dem eigenen Stamm zugehörig]; [lat. theodiscus - deutsch auf die Sprache des Stammes bezogen] "dem Volke eigen"
  • Welsch bedeutete dasselbe: denn auch jene, denen eine keltische oder romanische Sprache eigen war, redeten im Volksmund - aber einem fremden, dem walhisk. In vielen Rufnamen findet sich das Volk noch heute z.Bsp. Dietrich: diot - Volk, Leute + rihhi - herrschen; Dietleib = Detlef: diot + leiba - Hinterlassenschaft, Erbe; Dietfried diot + fried - Friede.

 
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